Pferdemomente-Blog

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Wie lerne ich mich abzugrenzen und Nein zu sagen?

Fällt es dir schwer, Nein zu sagen und Grenzen zu setzen? Traust du dich nicht, anderen einen Gefallen abzuschlagen? Dann gehörst du wohl zu den vielen Frauen (und einigen Männern), die sehr auf Harmonie bedacht sind und sich nicht gut abgrenzen können. Du tust Dinge, die du eigentlich nicht tun willst. Du hast ständig einen riesigen Stapel Arbeit „am Hals“, übernimmst bereitwillig Zusatzaufgaben und hast immer ein offenes Ohr für die Probleme deiner Kollegen oder Freunde. Dabei fühlst du dich oft gestresst oder ärgerst dich, weil du so viel für andere tust, aber dich selbst nicht mehr berücksichtigst.

Warum es so schwer ist, Nein zu sagen

Wir alle wollen geliebt werden und dazugehören. Wir brauchen den Kontakt zu anderen Menschen. Und wir wollen die anderen nicht verlieren. Das macht es so schwer, Nein zu sagen und eine Grenze zu setzen. Denn sofort tauchen Ängste und Befürchtungen auf: „Dann mag mich der andere nicht mehr, ist sauer auf mich, wird ärgerlich, aggressiv, verlässt mich …“. Oder du hast Angst, dem anderen weh zu tun und ihn vor den Kopf zu stoßen.

Diese Ängste sind verständlich. Sie zeigen, wie wichtig dir andere Menschen sind. Aber ganz ehrlich - wenn dir jemand zu nahe kommt oder dir etwas nicht gut tut, stellt sich die Frage: Wer ist wichtiger – der andere oder du selbst? Und da sollte die Antwort eindeutig DU SELBST heißen! Wenn du immer nur die anderen wichtig nimmst, machst du dich selbst klein und unbedeutend. Dann werden die anderen dich auch so behandeln – und das ist sicher nicht die Art von Kontakt, die du dir wünschst, oder? Es geht also darum, für dich einzustehen und damit ganz klar JA zu dir selbst zu sagen!

Sag JA zu dir selbst!

Ein Nein nach außen ist in erster Linie ein JA zu dir. Wenn du dir das bewusst machst, fällt es dir leichter, nein zu sagen und dich abzugrenzen. Weil du in diesem Moment zu dir stehst und für dich sorgst. Natürlich braucht es ein bisschen Mut und die Bereitschaft, Unstimmigkeiten zu riskieren. Aber du wirst merken, dass es sich lohnt, dich selbst ernst zu nehmen und JA zu dir zu sagen!

Mit den folgenden 3 Schritten kannst du lernen, leichter Grenzen zu setzen.

Schritt 1 – Finde heraus, was du selbst willst

Zuerst musst du dir darüber klar werden, was du in der konkreten Situation selbst möchtest. Dafür brauchst du eine gute Aufmerksamkeit für dich selbst. Nur dann kannst du merken, wann dir etwas zu viel wird, jemand über deine Grenzen tritt oder du dich eingeengt fühlst. Je eher du mitbekommst, wenn dir etwas nicht gut tut, desto leichter kannst du darauf reagieren. Dein Körper und deine Gefühle sind da eine wertvolle Hilfe. Wenn du anfängst dich über etwas zu ärgern, ist das ein gutes Zeichen, dass jetzt ein Nein angebracht ist. Ärger taucht meist auf, wenn es um Grenzen geht, wenn jemand ungefragt in deinen Raum eindringt oder dich verletzt hat. Der Ärger zeigt dir also, wann du handeln solltest. Und es ist gut, bei einem leisen Gefühl von Ärger zu reagieren und nicht zu warten, bis es so schlimm wird, dass du explodieren könntest.

Vor einiger Zeit  hatte eine Freundin von mir Liebeskummer und rief mehrmals bei mir an, um sich Trost und Unterstützung zu holen. Es hatte Streit gegeben, Ihr Freund war gegangen und sie wusste nicht, ob es noch eine zweite Chance gab. Ich konnte sie so gut verstehen und wollte ihr helfen. Nach dem fünften Telefonat, bei dem sie mir die ganze Geschichte nochmal von vorn erzählt hatte, wurde ich allerdings ungeduldig … und beim nächsten Mal hatte ich keine Lust ans Telefon zu gehen, obwohl ich sie sehr mochte. Ich hielt kurz inne und stellte mir vor, wie wir alles noch einmal „durchkauen“ – und spürte ein Gefühl von Unbehagen. Ich wollte sie gern unterstützen, aber nicht so. Ich ließ das Telefon klingeln und nahm mir vor, sie nachher selbst anzurufen.

Schritt 2 – Entscheide dich zu handeln

Damit sind wir auch schon beim zweiten Schritt: dem Entscheiden. Das nimmt dir niemand von außen ab! Ich saß früher im Büro mit einem Kollegen zusammen, der viele Abstimmungen machen musste. Da wurde über Konzepte oder die nächste Besprechung diskutiert – und ich konnte mich nicht mehr auf meine eigene Arbeit konzentrieren. Ich war ärgerlich, dass die anderen mich so bei der Arbeit stören.

Jetzt kann ich das natürlich aushalten und mir denken: „das ist ja nicht für lange, sie hören ja bald wieder auf …“. Damit mache ich mir tausend Gedanken um DIE ANDEREN und komme nicht mehr zu dem, worauf ich mich eigentlich konzentrieren wollte.

„Aushalten“ bringt dich nicht weiter

Dieses Abwarten und Aushalten bringt dir nichts. Es geht darum, zu handeln und klar zu sagen, was dich stört. Du könntest dich natürlich auch entscheiden, selbst auf Abstand zu gehen oder die Situation zu akzeptieren, wie sie ist. Das bringt vielleicht kurzfristig „Erleichterung“, aber damit ändert sich nichts. Wirklich für dich einstehen wirst du erst, wenn du klar sagst, was du möchtest.

Als ich bei meinen Kollegen den Mut zusammengenommen und es ihnen gesagt habe, waren sie erstaunt. Sie waren so vertieft in ihre Diskussion und hatten gar nicht gemerkt, dass sie mich damit stören. Ich habe sie gebeten, im Besprechungsraum weiter zu diskutieren, und das haben sie dann auch getan. Es war also gar nicht „schlimm“, diese Grenze zu setzen. Ich konnte in Ruhe weiterarbeiten und war richtig stolz auf mich.

Schritt 3 – Kommuniziere deine Grenzen

Jetzt geht es ans Handeln, indem du nach außen kommunizierst, was dir nicht gefällt und wo deine Grenzen sind. Hier ist es wichtig, nicht rumzudrucksen oder dich zu rechtfertigen. Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, wenn du z.B. etwas nicht tun kannst. Sag einfach freundlich und klar, dass du es nicht tun wirst. Oder mache einen Gegenvorschlag, wann oder wieviel du tun willst – aber nur, wenn du es wirklich willst!

Als ich meine Liebeskummer-Freundin anrief und ihr sagte, dass ich nicht immer wieder dieselbe Geschichte hören mag, war sie zuerst traurig. Sie wollte sich die Sache ja gern „vom Herzen reden“. Aber sie sah auch ein, dass das Wiederholen der Geschichte sie nicht weiterbringt. Wir einigten uns darauf, dass wir alle paar Tage telefonieren und uns austauschen, was es Neues gibt – und ich Stop sagen darf, wenn sie wieder in die alte Geschichte „abdriftet“.

Zum Handeln braucht es Mut und ein gewisses Maß an Konfliktfähigkeit. Es kann durchaus vorkommen, dass dein Gegenüber nicht sofort damit einverstanden ist, dass du seinen Wunsch nicht erfüllst – und mit dir diskutiert oder ärgerlich wird. Dann ist es wichtig, dass du dich nicht „überreden“ lässt, sondern klar machst, was du willst. Deshalb hast du dir im ersten Schritt ja genau überlegt, was du willst und was dir wirklich wichtig ist. Erinnere dich an das JA zu dir selbst. So machst du dir das Nein sagen leichter – dann weißt du, wofür du jetzt Nein sagst!

Kompromisse finden

Natürlich geht ist nicht darum, immer nur stur auf deinem Nein zu beharren. Wenn du jeden Gefallen ablehnst oder den anderen ständig auf Abstand hältst, wird euer Kontakt auf Dauer leiden. Aber immer klein beigeben ist auch keine Lösung. Es geht darum, dich und deine Bedürfnisse ernst zu nehmen und sie auszudrücken. Oft findet sich schon eine Lösung, sobald du klar aussprichst, was du möchtest. Oder ihr findet gemeinsam einen Weg, der für beide Seiten akzeptabel ist. Auch hier hilft dir dein Gefühl beim Entscheiden, ob der Kompromiss für dich passt. Spüre in dich hinein: bist du innerlich ruhig mit der gefundenen Lösung oder fühlt es sich eher nach einem „faulen Kompromiss“ an?

Erwarte nicht, dass andere von selbst merken was du brauchst

Ein häufiges Phänomen, gerade bei Frauen ist die Idee, der andere müsste ja merken, was dich stört. Dein Kollege sollte sehen, dass du genug Arbeit auf deinem Tisch hast, deine Freundin sollte wissen, dass du gerade nicht telefonieren kannst oder dein Partner sollte mitkriegen, dass er zu viel über die Arbeit redet … Und er müsste es von selbst ändern, wenn du ihm wirklich wichtig bist. Vergiss diese Gedanken! Das sind hohe Erwartungen, die nicht realistisch sind. Viel besser und klarer für beide Seiten ist, wenn du sagst, wenn dir etwas zu viel ist. Das Tolle daran ist: Wenn du den Mut aufbringst Nein zu sagen und dein Nein respektiert wird, stärkst du dein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Und beim nächsten Mal wird es dir viel leichter fallen, für dich einzustehen und Nein zu sagen.

Nein sagen mit „Vorankündigung“

Manchmal braucht es einen passenden Zeitpunkt, um bei wiederkehrenden Verhaltensweisen eine Grenze zu setzen. Wenn dein Kollege dir zum Beispiel regelmäßig Freitag kurz vor Feierabend noch Arbeit auf den Schreibtisch legt und dich das ärgert, kannst du dein Nein ankündigen. Geh z.B. am Mittwoch zu ihm und sag ihm, dass er dir die Arbeit bis Donnerstag geben soll, weil du am Freitag nichts mehr annimmt. Wenn er dann trotzdem wieder am Freitag damit ankommt, sagst du freundlich aber klar Nein und erinnerst ihn an das Gespräch vom Mittwoch. Dann ist es wichtig, konsequent zu bleiben und nicht „zurückzurudern“. Auch wenn das bedeutet, dass die Arbeit diese Woche nicht mehr erledigt wird und dein Kollege „sauer“ auf dich ist. Das wird er sich aber merken und beim nächsten Mal die Arbeit eher zu dir bringen.

Übe Nein zu sagen und höre auf dein Gefühl

Es ist hilfreich, bei einem „komischen Gefühl“ innezuhalten und dir für dich selbst klar zu werden, was dich gerade stört und was du anders haben möchtest. Und dann gilt es zu üben, Nein zu sagen. Fang in kleinen Situationen an, den Mut aufzubringen eine Grenze zu setzen. Mit jedem Mal, wo du klar für dich einstehst, wirst du dein Selbstvertrauen und deine Selbstsicherheit stärken. Es lohnt sich also!

Wenn du in einem geschützten Rahmen üben möchtest, Nein zu sagen, und Pferde als Spiegel zur Selbstreflektion nutzen möchtest, dann komm zum Seminar „Selbstbewusst Grenzen setzen“.

 


Kommentare  

 
#1 Heike 2017-04-02 18:17
Hallo liebe Katharina,

hab Dank für deinen Newsletter und den guten Blog-Artikel zum Thema "NEIN sagen".

Am schwersten fällt es immer bei den Menschen, die wir am meisten lieben - das ist die "Königsdisziplin ".
Ich hab's gerade erlebt - und es hat mich schier zerrissen. So ein "nein" hat dann manchmal auch erhebliche (!) Konsequenzen... und die darf man/frau nicht unterschätzen!

Ich freue mich auf deine nächsten interessanten Blog-Beiträge und sende dir sonnige Grüße aus dem schönen Berlin in die fernen Berge des Himalaja!

Heike
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#2 Sabine Uhlmann 2017-04-03 08:58
Liebe Katharina,
vielen Dank für diese klaren Worte zum Grenzensetzen.Ich habe mich schon viel damit beschäftigt, aber ich lerne immer noch was dazu (alt wie eine Kuh,...
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