Pferdemomente-Blog

Herzlich Willkommen!

Hier finden Sie meine Gedanken über die feine Verbindung von Mensch und Pferd und Tipps rund um persönliche Weiterentwicklung.
Viel Spaß beim Stöbern!

Drucken PDF

Mut zum Fühlen – wie Gefühle dich lebendig machen

Wie gut kennst du dich mit deinen Gefühlen aus? Traust du dich zu fühlen, oder sind dir Gefühle eher suspekt? Wir leben in einer Gesellschaft, in der Denken wichtiger als Fühlen ist. Vielleicht hast du dir deshalb auch angewöhnt, deine Gefühle zu unterdrücken und dich mehr auf den Verstand zu konzentrieren. Besonders die nicht so angenehmen Gefühle willst du nicht fühlen. Es darf nicht sein, was sich nicht gut anfühlt. Meist geschieht das aus einem Schutz heraus, um dich nicht angreifbar und verletzbar zu machen. „Gefühle zeigen ist gefährlich“, denkst du vielleicht.

Wenn du deine Gefühle unterdrückst, führt das aber zu einer zunehmenden Entfremdung von dir selbst. Dann hast du eine Maske von dir aufgebaut - eine „angenehme“, „schöne“, die du den anderen zeigst. Doch wie geht es dir damit? Wo bist du selbst? Diese Maske hat nicht mehr viel mit dir zu tun. Vielleicht glaubst du, so und so sein zu müssen …. um gemocht zu werden … um dazuzugehören …. um Anerkennung zu bekommen. Aber dabei „verrätst“ du dich selbst, und dafür zahlst du einen hohen Preis.

Es geht auch anders ...

Kinder und Tiere „trauen sich“ zu fühlen

Beim Fühlen können wir von Kindern und Tieren viel lernen. Sie fühlen, ohne zu werten und folgen einfach ihren Impulsen. Wenn ein Kind traurig ist, ist es RICHTIG traurig - es weint und schreit und der ganze kleine Körper drückt die Traurigkeit aus. Nach einer Weile beruhigt sich das Kind und die „Sonne scheint wieder“ – ebenso kraftvoll und aus ganzem Herzen. Auch die Tiere in unserer Umgebung – z.B. Katzen, Hunde, Pferde – zeigen sehr deutlich, was sie fühlen und wie es ihnen gerade geht. Kinder und Tiere machen keine „halben Sachen“ – sie leben ihr Gefühl aus, so lange bis es abgeklungen ist. Dann lassen sie es los und folgen einem neuen Impuls. Das ist ein ganz natürlicher Prozess.

Tiere spüren auch sehr genau, wie die Menschen in ihrer Umgebung sich fühlen. Sie nehmen alle Gefühle wahr, ohne sie als „richtig“ oder „falsch“ zu bewerten. In meinen Seminaren spüren die Pferde schon lange vor uns, wie es einem Teilnehmer gerade geht. Mit ihrer Reaktion machen sie die Gefühle bewusst und helfen, sie zu erkennen und auszudrücken.

Gefühl oder Funktion?

Gefühle gehören zum Leben dazu, sie machen dich lebendig. Sie sind vielfältig und bringen Farbe und Abwechslung in dein Leben. Und Gefühle machen dich individuell, kein Mensch fühlt genau wie du. Jeder Mensch hat sein ganz eigenes Gefühlsspektrum. Freude, Traurigkeit, Ärger, Neugier, Aufregung … in jedem Gefühl steckt eine Kraft, die dir Richtung und Inspiration gibt. Ohne Gefühle wärst du nur wie eine Maschine, die funktioniert und ein vordefiniertes Ergebnis liefert. Du wärst auf eine Funktion reduziert – meist sogar eine, die andere für dich bestimmt haben. Willst du das?

Fühlen braucht Mut

Natürlich braucht es Mut, deine Gefühle wahrzunehmen und zu zeigen. Du könntest dich verletzbar machen oder von der Kraft eines Gefühls überwältigt werden. Dann ist es gut zu wissen, dass Gefühle eine „vorrübergehende Empfindung“ sind und umso schneller wieder abklingen, je eher du sie zulässt und ernst nimmst. Das Unterdrücken von Gefühlen kostet Kraft – es ist wie ein Kampf, der Energie verbraucht. Wenn du deine Gefühle bewusst wahrnimmst und dich auf sie einlässt, steht dir diese Kraft für lohnendere Aktivitäten zur Verfügung.

Der Mut zum Fühlen schafft Verbindung. Zuerst einmal zu dir selbst. Denn im ersten Schritt geht es darum, vor dir selbst deine Gefühle zu erkennen und zuzulassen. Gerade die unangenehmen Gefühle. Egal ob du dich traurig, ängstlich, hilflos, aufgeregt, schlapp oder sonstwie fühlst – in dem Moment, wo du dieses Gefühl wahrnimmst und es da sein darf, ist es nur noch halb so „schlimm“. Mit Hilfe deiner Gefühle kannst du dann herausfinden, was dir gut tut und dich mit deinen Wünschen und Bedürfnissen verbinden. Im zweiten Schritt kannst du auch andere Menschen an deinen Gefühlen teilhaben lassen. Wenn du den Mut hast deine Gefühle auszusprechen, zeigst du, was dich bewegt und was dir wichtig ist. Damit schaffst du eine ehrliche Verbindung zu deinen Mitmenschen. Und natürlich darfst du selbst entscheiden, wie viel von deinen Gefühlen du in Beruf, Familie, Freundeskreis etc. zeigen willst. Zuerst geht es darum, dass du selbst deine Gefühle wahrnimmst und dich mit ihnen verbindest.

Gefühle als Sprache des Körpers

Gefühle sind ein hervorragendes Mittel, um deine eigene Intuition wahrzunehmen und ihr zu folgen. Du kannst Gefühle als Botschaften deines Körpers sehen. Sie geben dir Hinweise, was im Moment gut für dich ist oder wovor du dich schützen solltest. Gerade die als unangenehm empfundenen Gefühle sind damit wichtige Informationsquellen für dich. Ärger kann zum Beispiel ein Zeichen sein, dass deine Grenzen verletzt wurden. Dann ist die Aufgabe, dir wieder Respekt zu verschaffen und deinen Raum (oder deine Ansichten) zu schützen. Auch Unsicherheit ist ein wertvolles Gefühl, da es meist auftaucht, wenn eine neue Situation oder Veränderung ansteht. Die Unsicherheit erinnert dich daran, das richtige Tempo für deine Veränderung zu finden, deine Pläne zu hinterfragen oder Unterstützung zu finden. So hat jedes Gefühl eine eigene Botschaft und es ist wichtig, die „Sprache deiner Gefühle“ herauszufinden.

Gefühle wahrnehmen – der „Bodyscan“

Wie kannst du die Verbindung zu deinen Gefühlen wieder wecken? Mit den vielen Konditionierungen im Alltag haben wir einfach verlernt, uns selbst bewusst wahrzunehmen und überhaupt etwas zu fühlen. Eine gute Möglichkeit, das Fühlen wieder zu lernen, bietet der „Bodyscan“. Beim Bodyscan begibst du dich auf eine innere Reise durch deinen Körper und lenkst deine ganze Aufmerksamkeit auf einzelne Körperteile, z.B. den Kopf, die Schultern, den Rücken, Arme, Bauch, Beine usw. Bei jedem Körperteil nimmst du die aktuelle Empfindung oder das Gefühl wahr, so gut wie du es gerade spüren kannst. Wichtig ist, dass das ohne Wertung geschieht – d.h. egal welche Empfindung oder welches Gefühl auftaucht, du heißt alles willkommen und nimmst nur wahr. Ohne es „rechtfertigen“ und ohne es „wegmachen“ zu wollen – denn das sind zwei der am meisten genutzten Strategien, um Gefühle zu unterdrücken.

Dann kannst du eine Körperempfindung, die besonders deutlich war, „fragen“, welche Information sie für dich hat – indem du innerlich die Frage formulierst und offen für eine Antwort bist. Manchmal taucht ganz spontan ein Satz oder Wort auf, oder auch ein Bild. Am Anfang kann es ein bisschen Geduld brauchen, um deine Gefühle wahrzunehmen und eine Botschaft zu erspüren. Aber der Einsatz lohnt sich. Es ist eine spannende Reise, hin zum Verständnis für deine Gefühle und dem Gespür für dich selbst.

Pferde als „Gefühls-Botschafter“

Pferde sind auf dem Weg zu den eigenen Gefühlen eine gute Unterstützung. Für Pferde als Fluchttiere sind Empfindungen und Gefühle lebensnotwendig. Dadurch haben sie eine sehr feine Wahrnehmung für bewusste und versteckte Gefühle entwickelt. So spüren sie auch bei Menschen in ihrer Umgebung, welches Gefühl gerade aktiv ist. Pferde sind gern in der Nähe von Menschen, die ihre Gefühle zulassen und zeigen. Egal ob es sich um „angenehme“ oder „unangenehme“ Gefühle handelt. Pferde bewerten nicht, sondern jedes echte Gefühl ist willkommen. In diesen Momenten sind wir wahrhaftig – das Fühlen stimmt dem Tun überein. Pferde erspüren sehr oft genau den Moment, in dem der Mensch sich eines Gefühls bewusst wird – sie zeigen es z.B. durch Kauen oder Gähnen oder indem sie genau dann einfach zum Menschen hingehen und sich entspannt neben ihn stellen.

Die Nähe der Pferde ist damit Aufforderung, Ermutigung und gleichzeitig Belohnung für deinen Mut, das Fühlen zu „riskieren“.

Trau dich zu fühlen und hole dir damit ein Stück mehr Lebendigkeit in dein Leben!

 


Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren